Wilhelmshavener Zeitung; Ausgabe v. 01.06.2006

Neue Schraube unerschöpflich

MÜHLE Wasserschöpfmühle in Neustadtgödens bekam neue Archimedes-Schraube

Eine Spezialfirma aus den Niederlanden fertigte die neue Schraube. Die Maßnahme kostete rund 14000 Euro.

VON MALTE KIRCHNER

NEUSTADTGÖDENS - „Mit dem Eimer schafft man das nicht so schnell." Karl-Edzard Heeren steht verzückt im Innernen der Wasserschöpfmühle auf dem Wedelfeld in Neustadtgödens. Gerade erklärte der Windmüller den Medienvertretern, dass die am Dienstag neu installierte archimedische Schraube der Mühle rund 20 Kubikmeter Wasser pro Minute befördert.
Archimedes soll sie erfunden haben. Dem griechischen Mathematiker der Antike wird die Erfindung dieser speziellen Schraube - deshalb auch „archimedische Schraube" - zugesprochen. Die Funktionsweise ist einfach zu erklären: Das Gewinde wird durch die Mühle zum Drehen gebracht und befördert das Wasser entlang des Gewindes nach oben.
Die Wirkung ist beachtlich - vor allem für damalige Verhältnisse: Wasser kann entgegen der Schwerkraft befördert werden. Heute werden für solche Zwecke meist elektrische Pumpen eingesetzt.

Der letzte Schraubenwechsel in Neustadtgödens liegt gemessen am Alter der Mühle noch gar nicht so lange zurück. „Die Schraube war zwanzig Jahre alt", erinnert sich Heeren. Doch das spezielle aus der Baumfamilie der Eichen stammende Holz hielt dem Wasser nicht so lange stand, wie der Heimatverein Gödens-Sande es sich eigentlich erhofft hatte. Die alte verrottete Schraube musste ausgetauscht werden. Dafür sorgten am Dienstag Fachleute aus den Niederlanden, wo die neue, hoffentlich länger haltende Schraube auch konstruiert wurde. 14 000 Euro kostete der Austausch.

Zahlreiche kleine Holzteile, umgarnt von Metallfäden, bilden das schneckenförmige Gewinde. Die Schraube wird deshalb übrigens auch Schneckenschraube genannt, obwohl angesichts der transportierten Wassermassen von Schneckentempo keine Rede sein kann.

Für die Neustadtgödenser Wasserschöpfmühle ist die Schraube, mal abgesehen von der Windmühlen-Technik, das Herz der Anlage. Sie transportiert das Wasser aus dem angrenzenden Schloot in das gegenüberliegende Tief. Früher diente das zur Entwässerung der Flächen. Heute ist die Mühle nur noch zu Schauzwecken in Betrieb.

Schneller als erwartet lag die neue Schraube jetzt an ih­rer Stelle. Heeren und seine Mitstreiter atmeten auf: „130 Arbeitsstunden haben wir in die Vorarbeiten investiert", bilanzierte er den Aufwand der letzten Wochen. In Eigenleistung wurde auch das „Back" neu gemacht.

Nach einigen noch ausstehenden Arbeiten im Inneren der Mühle kann sie auch schon wieder in Betrieb gehen. Spätestens zum Mühlentag am Pfingstmontag soll alles wieder rund laufen.

Endlich geschafft: Windmüller Karl-Edzard Heeren bei den letzten Arbeiten an der neuen Archimedes-Schraube der Wasserschöpfmühle Neustadtgödens.
WZ-FOTO: GABRIEL-JÜRGENS