Wilhelmshavener Zeitung; Ausgabe v. 10.06.2003

Friesische Mühlen drehten sich optimal

MÜHLENTAG Großer Andrang an Kulturdenkmälern - Förderverein für Oberahmer Kornmühle

Er gehört eindeutig den Mühlen, dieser Pfingstmontag, der zum Deutschen Mühlentag auserkoren wurde. Da sind diese Kulturdenkmäler beliebte Anlaufziele für Groß und Klein.

VON WALTRAUD DEHORN-BAAR

JEVERLAND - Gestern hatte es gar den Anschein, als wenn jeder, der nur eben Zeit hatte, wenigstens bei einer Mühle Rast machte. So gab es etwa in Accum kaum noch ein freies Plätzchen, um den dortigen selbst gebackenen Kuchen sitzend zu genießen.

Rund 35 fleißige Helfer vom Arbeitskreis Accumer Mühle, mit ihrem Vorsitzenden Dieter Mögling, waren dort von morgens bis abends unermüdlich im Einsatz, um den Gästen feinstes Mühlenleben zu präsentieren. Froh waren dabei natürlich. alle, dass der Wind das "Schmuckstück" von 1746 so richtig ins Rotieren brachte.

"Die Mühle dreht sich optimal", schwärmte Holger Krahe vom Arbeitskreis. Er berichtete, dass die selbst gemahlenen Haferflocken weg gingen wie die berühmten "warmen Semmeln". Nebenher hatte das Mühlenmahlwerk noch mit Roggen und Roggenschrot zu tun, allesamt Produkte, die entstehen können, weil eine Technik, die vor rund 250 Jahren entwickelt wurde, heute noch bestens funktioniert. "Faszinierend" lautete der Kommentar nicht nur von Holger Krahe.

In diesem Sinne ließen sich auch die Gäste in Neustadtgödens verzaubern, die zur Wedelfelder Wassermühle von 1844 pilgerten. Dort hält der Müller Karl-Edzard Heeren alles bestens in Schuss. Allerdings steht er am Mühlentag erst einmal im Hintergrund, denn da hat der Heimatverein Gödens-Sande, mit Hilke Arnold an der Spitze, noch ein extra "Bonbon" parat.

Müllermeister Karl-Fdzard Heeren
ist der Herr der Wedelfeldmühle.

Alles dreht sich zunächst um die Mühlenwette. "Geiht se oder geiht se nich", heißt es so seit 22 Jahren. Herausforderer waren die Friedeburger Ratsmitglieder mit ihrer stellvertretenden Bürgermeisterin Brigitte Dirks. Gewonnen hatten sie im vergangenen Jahr, was sie natürlich wiederholen wollten, aber diesmal war ihnen die Windstärke zwischen sechs und sieben einfach zu heftig und sie sagten: "Se geith nich". Der Sander Boßel- und Klotschießerverein "Freesenspeel", mit Adalbert Klaaßen, war mutiger, lag bei der Wette richtig und war damit der strahlende Sieger des Tages.

Für die Richtigkeit dieser gesamten Zeremonie garantierte der Schiedsrichter Erich Heeren, der aber auch so noch genug zu tun hatte, denn bevor die Wette begann, fand auf dem Wedelfeld vor der wunderschönen Mühle ein plattdeutscher Gottesdienst statt. Rund 200 Besucher saßen im friesischen Wind und erlebten eine Premiere von Pastor Holger de Buhr aus Cäciliengroden. Er meisterte dort nämlich seine erste plattdüütschen Kerk, mitten in der Natur. Dazu gab es Musik vom Neustadtgödenser Posaunenchor unter der Leitung von Frank Rimkus.

Als "Ohrwurm" aber sollten die Gäste die Worte von Hilke Arnold lange im Gedächtnis behalten. Sie bat alle zu helfen, damit die Oberahmer Kornmühle erhalten bleibt. Im September wird dazu ein Förderverein gegründet, der jetzt schon weiß, dass zirka 190 000 Euro gebraucht werden, um ein weiteres, seltenes und besonderes Kulturdenkmal zu erhalten.