Wilhelmshavener Zeitung; Ausgabe v. 09.09.2002

Blick für die Geschichte geöffnet und viel erzählt

Auffallend viele Radfahrer nutzte den Tag des offenen Denkmals

-ju-Neustadtgödens/Friesland.
Nichts ahnend mögen schon manche Besucher Neustadtgödens an der Baumgruppe im Garten des jetzigen Heimatmuseums vorbei gegangen sein. Museumswartin Hilke Arnold lüftete am gestrigen Tag des offenen Denkmals auf einer Führung durch den Ort erneut das Geheimnis: Als das stattliche Landrichterhaus aus dem Jahr 1600 mehr als 200 Jahre später in privaten Besitz überging, wollten einige Bewohner die Erinnerung daran bewahren.
Sie pflanzten um 1850 vor den Fenstern des ehemaligen Gerichtssaals die Sitzordnung mit zwei Kastanien als Beisitzern, einer Linde als Geschichtsschreiber, der Rotbuche für den Richter und einer Traueresche als offensichtlich soeben abgeurteilten und einsichtigen Angeklagten. Der inzwischen eingegangene Richterbaum ersetzt seit einiger Zeit ein überdimensionierter Steinstuhl als Skulptur.
In Neustadtgödens begegnete die Gruppe auf ihrem Rundgang auf Schritt und Tritt bemerkenswerten geschichtlichen Zusammenhängen und Eigenheiten.
Dass beispielsweise zu Beginn der Reformationszeit viele Glaubensflüchtlinge in dem kleinen Ort Zuflucht fanden: Mennoniten aus den Niederlanden, Lutheraner, Reformierte, Juden und Katholiken.
Sie durften ihre eigenen Gebetshäuser bauen, so dass teilweise in vier verschiedenen Kirchen und einer Synagoge in nächster Nähe zueinander der jeweilige Glaube praktiziert werden konnte.
Dass der Ort trotz der Eindeichung des Schwarzen Bracks wirtschaftlich nicht abgeschnitten wurde , sondern weiter prosperierte, war dieser zusammen gewürfelten Gesellschaft arbeitswilliger und toleranter Bürger in Neustadtgödens zu verdanken.
Auffallend viele Radfahrer nutzten den Tag des offenen Denkmals in der ganzen Region für einen Ausflug zu historischen Zielen.
Alte Kirchen, wie etwa die ev.-luth. in Middoge, die Gaukirche Hohenkirchen als ehemaliges Seezeichen, Waddewarden, Sandel, Cleverns oder die Stadtkirche zu Jever aber auch alte Mülen und Burgen machten Führungen, feierten Feste oder zeigten Sonderausstellungen bei freiem Eintritt.

Wollten zum Tag des Denkinals über ihren Ort oder als nahe Nachbarn von Hilke Arnold (2. vonrechts) mehr über das geschichtsträchtige Neustadtgödens erfahren (von links): Mareile Gerler mit Anna Victoria, Elke Schüler (Wilhelmshaven), Maria-Theresia Haschke mit Saskia und Hund, Hilde Fröhlich und Marlies Beck, (beide Wilhelmshaven).
Foto: Litzius