Sander Kurier; Ausgabe v. Januar.2003

Hinrich Janßen wird durch eine Musketieruniform zum Ausrufer

Seit nun mehr zehn Jahren hat der Neustadtgödenser richtig Spaß an diesem Ehrenamt

"Der Heimatverein suchte jemanden, und da hab' ich mich gemeldet." So einfach ist das also mit dem Utrooper in Neustadtgödens. Doch welche Dimensionen das annehmen würde, dass sogar internationale Wettbewerbe auf ihn zukommen würden, damit hatte Hinrich Janßen nicht gerechnet. Seit rund zehn Jahren ist der 43-Jährige jetzt in der ehrenamtlichen Position tätig, setzt buchstäblich Farbtupfer in viele Veranstaltungen und hat immer noch "viel Spaß dabei".
"Der Ausrufer hat einen historischen Ursprung, das war früher eine wichtige Position", erklärt Hinrich Janßen. Lange Zeit sei der Mann geradezu eine Institution gewesen, ihm kam nämlich die Aufgabe zu, wichtige Nachrichten unter den Bürgern zu verbreiten. "Wenn es Steuererhöhungen gab, Gesetze geändert wurden - immer musste der Ausrufer los und das an den festgelegten Stellen im Ort verkünden." In Neustadtgödens habe es bis Ende der 50er Jahre einen von der Gemeinde bestellten Ausrufer gegeben, erzählt Hinrich Janßen.

Später hat dann der Heimatverein die Tradition wieder aufleben lassen. Zunächst hatte Bernd-Armin Traue die Aufgabe übernommen, seit 1992 ist Hinrich Janßen amtierender Ausrufer. Mit seiner stattlichen Körpergröße scheint der gelernte Tischler für diese Amt geradezu prädestiniert zu sein. Außerdem ist er als gebürtiger Ostfriese (aus Gründeich/Esens) mit der plattdeutschen Sprache groß geworden. Das kommt ihm natürlich zugute, denn alle Texte werden in platt vorgetragen. In seiner feschen Uniform, die der Kleiderordnung der preußischen Musketiere nachempfunden wurde, sorgt er überall für Aufsehen. Notfalls verschafft er sich mit Hilfe einer großen Glocke Gehör. Zuletzt war Hinrich Janßen beim Benefizkonzert des Marinemusikkorps auf Schloss Gödens, bei den Festivitäten zur Eröffnung des Friesischen Heerweges und "natürlich überall, wo die Vereine feiem" mit dabei.
Doch seine Uniform gehört zu den eher bescheidenen, hat der Neustadtgödenser festgestellt. Als er 1998 an der Europameisterschaft der Ausrufer teilnahm, die in England stattfand, kam er glattweg ins Staunen. "Da gab es jede Menge tolle historische Kostüme zu sehen, einfach ein tolles Bild", schwärmt der 43-Jährige noch heute. Die Aufgabe dort war ganz schön schwierig: Zu einem bestimmten Thema musste selbstständig ein Text erarbeitet werden, und zwar einmal in der Heimatsprache, einmal in englisch. Der Vortrag wurde dann bewertet. "Wenn ich hier in Neustadt unterwegs bin, kenne ich mich gut aus mit der Sprache, ich weiß, was ich sagen will, worauf es ankommt. Da kann man schon mal ein bisschen improvisieren", erzählt der Ausrufer. Bei der Europameisterschaft ging es unter anderem darum, sich haargenau an den Text zu halten, "Improvisation brachte sofort Minuspunkte", erläutert Hinrich Janßen die strengen Richtlinien. Zwei Jahre später, also 2000 war er sogar bei der Weltmeisterschaft dabei, die in Gent stattfand. So bekommt er gerade jetzt zur Weibnachtszeit viel Post - klar, aus aller Welt.

Jetzt ist Hinrich Janßen schon gespannt darauf, welche Aufgaben und Reisen in diesem Jahr auf ihn zukommen. Ganz einfach ist das natürlich nicht immer, als voll berufstätiger Familienvater sind da ja doch einige Rücksichten zu nehmen. Ehefrau Heike akzeptiert dieses "Hobby" und unterstützt ihren Mann auf ihre Weise: Sie hat eine künstlerische Ader und hat eine Marionette gebastelt, die jetzt gleich im Eingang des hübschen Einfamilienhauses jeden Besucher "begrüßt": Es ist der Ausrufer von Neustadtgödens - sogar die Gesichtzüge stimmen.

Der Ausrufer von Neustadtgödens: Hinrich Janßen liebt diesen ehrenamtlichen Beruf und will noch lange dabei bleiben.